Sumak Kawsay – Buen Vivir – Gutes Leben

Das Buen Vivir bezeichnet die traditionelle Weltanschauung der indigenen Völker Südamerikas, die entlang des Andengebirges leben. Gutes Leben beschreibt unter anderem eine sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Lebensweise, der die Pachamama – die Mutter Erde – nicht als Eigentum betrachtet, sondern die Zugehörigkeit der Menschen zur Erde als Grundlage des Lebens anerkennt. Menschen leben mit der Erde, nicht nur auf ihr.

Das Hauptziel der Entwicklung in diesem Konzept ist, das gute Leben von allen Lebewesen zu garantieren. Wirtschaft basiert dann auf der Maxime eines ausgeglichenen Gebens und Nehmens.: Jeder nimmt das, was nötig ist und nicht mehr als genug und gibt in Dankbarkeit , sodass alle Lebewesen und die Erde genug bekommen. Buen Vivir wird als eine Alternative zu den dominierenden Entwicklungskonzepten des globalen Nordens gesehen. Unter den Europäischen Ansätzen dazu zählt das Konzept der „Gelebten Suffizienz“, das von Entschleunigung, gemeinschaftlicher Nutzung von Gütern und von weniger und bewusstem Konsum gekennzeichnet ist.

Die Minga

Die Minga oder Minka ist die alte indigene Tradition der gemeinschaftlichen Arbeit auf solidarischer  Basis , die als Fest gestaltet wird. Eine Minga kann unterschiedlichen Zwecken in der Gemeinschaft (Ayllu) dienen,  z. B. dem Bau kommunaler Einrichtungen oder der Ernte auf den Feldern im kommunalen Eigentum.

Wir berufen uns auf die alte indigene Tradition der Minga mit dem Zweck, ein Kooperationsprojekt für die kommenden Jahre zwischen den kolumbianischen basisorganisierten indigenen Gemeinschaften „Nasa“ und „Wounaan“, der WIR Koordination und dem Projekt Mosaiksteine der Stadt Marburg und dem Verein Pachamama Connexion e.V. zu gestalten.

Unsere Absicht ist, das indigene Konzept der Minga und das europäische Konzept der Projektwerkstatt als sich ergänzende Bausteine zu verbinden. Deswegen ist diese Veranstaltung in ihrer Gesamtheit als kreative interkulturelle Projektwerkstatt konzipiert. Denn das Lernen in einer Projektwerkstatt besteht darin, dass Gruppen Lernstoff anhand ihrer eigenen Interessen und Erfahrungen selbstbestimmt im Team erarbeiten, indem sie Projekte umsetzen. Dies wird durch die verschiendenartigen Angebote (Konzert-Lesung, Dialogräume, Workshops, Kreativ-Space, Fish-Bowl-Diskussion, Mitmachaktionen, Zukunftswerkstatt etc.) ermöglicht. So wollen wir die Zusammenarbeit feiern, sie als Lernprozess gestalten und dabei mit den Kooperationspartnern ein Projekt im Rahmen des Konzeptes „Buen Vivir“ entwickeln.

Dafür finden wir sehr wichtig, die Multiperspektivität verschiedener Akteure im Prozess miteinzubeziehen. Deswegen laden wir weitere ReferentInnen und Organisationen, die im Bereich der Entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, Bildung für Nachhaltigkeit und Friedensarbeit tätigt sind (Deutsches Netzwerk der Guarani-Kaiowás aus Brasilien, Deutsch-Bolivianischer Verein „Eyni“, Alberto Acosta aus Ecuador u.a.) ein.

Das Herz der Veranstaltung wird der „Kreativ-Space“ sein. Wir stellen einen Raum für Austausch und Ideenentwicklung zur Verfügung, wo die Teilnehmer*innen grundlegende Informationen über das Buen Vivir und die Schwerpunkte unserer Arbeitsbereiche finden können: Foto-Video-Audiomaterial, Broschüren, Zeitschriften, Bücher, inspirierende Texte und Fragestellungen etc. Auch Material zur Ideenentwicklung und deren Darstellung stellen wir dort bereit: Arbeitstische mit Papier, bunten Stiften, Schere, Pinnwände, Raum für die Darstellung eigener Projekte und Initiativen etc.

Die Seele bilden die gemeinsamen Prozesse des intensiven Austauschs zum Thema Interkulturelle Entwicklungszusammenarbeit im Sinne des Buen Vivir in transkontinentaler Sicht in Bezug auf unsere Arbeitsschwerpunkte (siehe Diagramm Schwerpunkte) Für uns sind diese Kommunikationsprozesse von zentraler Bedeutung, da sich unsere Initiative nicht nur der Herausforderung der Interkulturalität sondern auch der transkontinentalen Zusammenarbeit stellt. Gleichberechtigte Dialogprozesse und tiefgreifende Reflexionen über der Beziehung zwischen globalen Süden und Norden sind entscheidende Grundlagen für die Weiterentwicklung eines Projektes im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung, welche die Weltanschauung der Völker des globalen Südens und des Nordens gleichberechtigt miteinbezieht.

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