Jede Krise auf diesem Planeten ist mit jeder weiteren verknüpft – eine Kettenreaktion. So ist jede Krise als ein globales Phänomen zu betrachten, und es ist für die Zukunft der Menschheit wichtiger denn je, dass wir ein Gefühl von universeller Verantwortung entfalten, wie der Dalai Lama betont. Wir als Pachamama Connexion e.V. fühlen uns direkt betroffen von der ökologischen und menschenrechtlichen strukturellen Gewalt, die aufgrund wirtschaftlicher Interessen in Lateinamerika stattfinden. Diese können wir nicht als isoliertes Phänomen des globalen Südens ignorieren. Deshalb ist es das Anliegen unseres Projektes 2019, mittels bildungspolitischer Aktivitäten, die enge Verflechtung zwischen den ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen, kolonial verwurzelten und neoliberalen Entwicklungen auf globaler Ebene in Bezug auf die Klimakrise sichtbar zu machen. Angesichts der akuten Lage, ist es für uns notwendig, die subalternen Stimmen der betroffenen und Widerstand leistenden Indigenen hier hörbar zu machen und konkret solidarisch zu handeln.

Wir wenden uns dieses Mal konkret der Situation der indigenen Gemeinschaft „Nasa“ im kolumbianischen Andengebiet zu, die sich gegen ein staatliches Infrastrukturprojekt in ihrem Gebiet zur Wehr setzen, welches dem Abtransport und Export der Ressourcen aus dem Inland zur Küste dient. Ihr Widerstand hat vor Ort wachsende Militarisierung, Morddrohungen (Kopfgeld-Pamphlete) und paramilitärischer Gewalt bis hin zur Ermordungen mehrerer indigener Umweltaktivist*innen zur Folge. Das Projekt, dass ohne ihre vorherige Konsultation und Einwilligung derzeit in ihrem Gebiet beginnen soll, beinhaltet auch einen 40 km langen Tunnel. Dieser würde unterirdisch durch die sensible Landschaft des “Páramo” und ihrer Seen im kolumbianischen Andengebirgen führen, welche als heilig für die Gemeinschaft und als wichtiges Süßwasser-Reservoir des Kontinents gelten. Es handelt sich um ein nationales Schutzgebiet, in welchem der Bau neuer Wege eigentlich gesetzlich verboten ist. Wir haben uns gefragt, wie können wir helfen und haben in Gespräch mit der Gemeinschaft die folgenden drei Maßnahmen erarbeiten, welche unser Projekt ausmachen:

•  Bilinguales Radioprojekt: Februar – Juni 2019.

Reihe bilingualer (deutsch/ spanisch) Radiosendungen und Podcasts, welche über das Internet transkontinental gesendet werden. Diese sollen Begegnung, Austausch und kreative Zusammenarbeit zwischen kolumbianischen Jugendlichen des indigenen Bildungsnetzwerks IDEBIC und Jugendlichen des Marburger Kinder- und Jugendparlaments ermöglichen. Fragestellungen wie beispielsweise: „Was hat meine Tasse Kaffee/Kakao mit Menschen- und Naturrechten zu tun?“ oder „Was ist der reale Wert(Preis) eines Kilos Kaffee/Kakao, wenn die Kaffee- und Kakaobauer*innen profitabel wirtschaften wollen?“ sollen den Jugendlichen als Anregung dienen, sich über Themen wie Postwachstum und Suffizienz auf “globaler” Ebene auszutauschen.

•  Soli – Kaffeeprojekt:

Infoveranstaltungen in Café Q 29.09.19 19:30 Uhr, 15.10.19 17 Uhr und 27.10.19 15 Uhr

Durch dieses Projekt soll die Angebotspalette von SoLaWi Marburg um die Luxusprodukte Kaffee bzw. Espresso erweitert und somit das Prinzip der solidarischen, sowie nachhaltigen Produktion und Verteilung von Lebensmitteln auf Produkte aus Übersee ausgedehnt werden. Da gerösteter Kaffee sehr schnell an Qualität und Aroma verliert, haben wir uns dazu entschlossen, den Kaffee erst in Deutschland zu rösten deswegen ist die Weidenhäuser Kaffeerösterei „Il Gusto! Ein weiteren Projektpartner. Ein regionaler Kleinröster in Marburg, der sich als traditionellen Handwerksbetrieb versteht. Für „Il Gusto!“ ist Respekt gegenüber den Kaffeebauern und -pflückern, sowie allen am Wertschöpfungsprozess Beteiligten von zentraler Bedeutung, deswegen sind alle Kaffees die sie anbieten, nachhaltig angebaut und nach fairen Prinzipien gehandelt. Unser Wunsch ist durch dieses Projekt einerseits die Gemeinschaft in ihren Widerstand auch finanziell zu unterstützen, anderseits möchten wir bei dem Wandel der Konsumkultur unserer Region ein Beitrag leisten, aus diesen Grund wollen wir den Kaffee verpackungslos, durch CO2 armer Transport (Segelfracht) nach Deutschland bringen und mit Lastfahrräder in der Stadt verteilen.

Mehr Infos: https://solawi-marburg.de/kaffeeanteil

•  “Territorio, Vida y Paz”. Eine Fotoausstellung zur indigenen Bewegungen in Kolumbien 10. bis 26.11.2019 im Café Q

Im Rahmen dieser Fotoausstellung wird es ein Begleitprogramm (Vorträge, Workshops, offenes Café, Kulturprogramm etc.) geben. Ziel ist die Bekanntmachung und Sensibilisierung in Bezug auf die aktuelle Situation der indigenen Gemeinschaft “Nasa” in Südkolumbien sowie auf die Problematik der indigenen Völker in Lateinamerika. Das auf dem Konzept des “Buen Vivir” basierenden, selbstorganisierten Bildungsprojekt dieser Gemeinschaft und die unmittelbare Bedrohung ihres als Naturreservat anerkannten Territoriums durch ein Infrastrukturprojekt werden wir mit der Ausstellung sichtbar machen. Persönliche Lebensgeschichten, soziopolitische und wirtschaftliche lokale und globale Bedingungen sowie ökologische Auseinandersetzungen und alltägliche (Schlüssel-) Situationen, wie das Kaffee-Trinken sollen in Zusammenhang gebracht werden. Thematisiert werden die globale Klimakrise, die Nachhaltigkeitsziele der UNO (SDGs), der Friedensprozess in Kolumbien und die Entwicklung der indigenen Bewegung in Lateinamerika, um Menschen zu einem transkulturellen Gesellschaftswandel zu inspirieren.